Kinder begeistern mit Musical

Die einjährige intensive Probenarbeit hatte sich gelohnt. Am Wochenende 9./10. März 2013 wurde das Kindermusical „Israel in Ägypten“ von Thomas Riegler am Samstagnachmittag in der Kirche Leipzig-Mitte und am Sonntagnachmittag in der Kirche Halle (Saale) aufgeführt. Der folgende Stimmungsbericht lässt die Begeisterung der Mitwirkenden und der Zuhörer miterleben.

Es ist Samstag, der 9. März 2013. Schon seit den frühen Morgenstunden wird in der Kirche Leipzig-Mitte gewerkelt. Da werden Scheinwerfer, Kisten voller Kleidung und bemalte Riesentafeln geschleppt. Übergroße Schilfbüschel und Bäume wandern in die Kirche. Es scheint allen Freude zu bereiten. Trotz des morgendlichen Zeitpunktes, miesen Wetters und der schweren Arbeit sind alle guter Dinge. Auch im Keller ist Licht. Und es duftet schon nach Kaffee. Auf die guten Kirchengeister ist eben Verlass. Ab 10:00 Uhr geistern auch noch andere durchs Haus. Etwa 140 wieselflinke große und kleine Kinderfüße aus Halle und Leipzig müssen ihren Platz finden. Mit viel Kreativität sind die Erwachsenen und Kinder dabei, ein Kunstwerk auf die vielen Füße zu stellen. Bis zum Nachmittag wird geprobt, gefeilt, wiederholt, geschwitzt und… gesungen.

Als die ersten Besucher um 15:00 Uhr den Kirchensaal betreten, staunen sie nicht schlecht. Anstelle des Altars sieht man eine große Bühne mit Schilf, Pyramiden, Sand, eine Hütte und einen Thron. Super Technik wurde aufgebaut. Waren hier wirklich keine Profis am Werk?

Ein Krokodil schaut frech über den Bühnenrand. Sonst sieht man nichts. Die Kirche füllt sich schnell. Mittendrin suchen Kinder ihre Eltern und Großeltern. Kleine grüne und schwarze Wesen mit roten Wangen huschen vorbei. „Na, Mäuschen, wo willst du denn hin?“ „Ich bin kein Mäuschen, ich bin ein Frosch und sie hier ist eine Fliege!“

Der Bezirksälteste des Bezirkes Leipzig, Thomas Cramer, begrüßt alle Anwesenden herzlich. Im Gebet dankt er für die Gabe, die wir in unseren Kindern haben. Ein Reichtum, der die Besucher noch überwältigen wird.

Jetzt dürfen die Kinder auf die Bühne. Alle friedlich und eng beieinander: Ägypter, Frösche, Fliegen und Heuschrecken. Nur der Pharao bleibt auf Abstand. Er hat sich auf dem Thron niedergelassen und lässt sich von seinem Wächter Luft zufächeln.

Mühsam betreten schwer arbeitende Israeliten das Kirchenschiff. Der Weg ist lang bis zur Bühne…

Lange Zeit brauchte es auch, bis „Israel in Ägypten“ von Thomas Riegler vortragsreif wurde. Vorsonntagsschüler bis Konfirmanden arbeiteten sich ein Jahr lang durch 12 Seiten Chorpartitur, bis die 11 Lieder und zahlreichen Texte des Musicals einstudiert waren. Mit viel Sorgfalt und Liebe wurden sie auf diesen Tag vorbereitet. Die Kinder erlebten gemeinsam mit Profis einen Tag im Theater. In der heißen Phase der Vorbereitungen verbrachten sie ein gemeinsames, arbeitsintensives Wochenende.

Und jetzt?

Gebannt folgen die Zuschauer jeder Szene auf der Bühne. Die Musik reißt mit. Mitgefühl, Wut, Ekel, Trauer, Angst, Grauen und Verzweiflung erreichen auch sie. Und zum Schluss auch die überschwängliche Freude: „Lobe den Herrn! Er ist nicht fern! Er ist's, der uns beschützt! Oh, yeah!“

500 Zuhörer hält es nicht auf den Sitzen. Lange schwirren die Melodien noch durch den Kopf.

Selbst, als viel später der Laster mit Bühne, Requisiten, Kostümen und Technik das Leipziger Kirchengelände verlässt, haben manche immer noch nicht genug.

Am nächsten Tag sollen auch die Geschwister aus Halle eine Aufführung erleben. Nur ist dort die Vorbereitungszeit bedeutend kürzer und der Gottesdienst am Vormittag länger als gewöhnlich. Die Zeit, die für den Aufbau bleibt, schrumpft dahin. Nun ja, wie sang Mose am Vortag: „Denn wer Gott vertraut und ganz fest an ihn glaubt, muss nicht ängstlich sein: Gott lässt ihn nicht allein!“

Nach einer harten Probe (besonders für die Techniker) kann der Bezirksälteste des Bezirkes Halle, Günter Meistring, pünktlich 16:00 Uhr die Anwesenden begrüßen.

Da sind sie wieder, die israelitischen Sklaven im Ägypterland. Ihre lustlos gebaute Mauer bekommt die Wut ihrer Erbauer sehr zu spüren. Die Steine fliegen bis ins Publikum. „Wir sagen nein!“ Wild entschlossen fordern sie ihr Recht. Da nutzt selbst die Peitsche des Sklaventreibers nichts. Seine Petzerei beim Pharao bringt diesen aber auf die furchtbare Idee, allen israelitischen Jungen das Leben zu nehmen. Nur mit seiner schönen Tochter hat er nicht gerechnet. Diese rettete einem kleinen Jungen das Leben. Sie ist sich der Zustimmung ihrer Dienerinnen sicher und gibt ihm den Namen Mose.

Als dieser Jahre später mit Gott am Dornbusch diskutiert, ist auf der Bühne und im Publikum kein Laut zu hören. Alle können den Mose gut verstehen, denn wer möchte schon so einen Auftrag bekommen. Aber es hilft nichts. Augenblicke später steht er vor Pharao und muss sich von diesem auslachen lassen. Als der Nil aber zu stinkendem roten Blut wird, lacht weder der Pharao noch das Krokodil. Die Frösche scheint es nicht zu stören, denn übermütig hüpfen sie selbst auf Pharaos Schoß. Die Ägypter finden die Frösche in Hosen, Schuhen und im Essen, „Ihh!“ Diese Biester hat der Pharao schnell vergessen, daher müssen sich die Ägypter auch mit Mücken und Fliegen herumplagen. Diese stechen wie wild auch auf den Pharao ein, so dass dieser einen neuen Mantel bestellt. Sein Schneider ist auf die Fliegenjagd eingestellt und befreit den Pharao von genau 7 Fliegen. Das kostet ihm aber leider das Leben, da kennt der Pharao keine Gnade. Schlagen lässt er sich nicht, auch nicht mit der Fliegenklatsche. Nachdem die Fliegen durch Moses Gebet verschwunden sind, ist der Pharao zufrieden. Nur nicht lange, denn die Pest vernichtet das Leben von Mensch und Tier. Die Sorge der Bauern um ihre Tiere ist zum Greifen nah. Das Mitleid erfasst auch den letzten Zuschauer. Nur den Pharao nicht. Dem ist selbst der darauf folgende Hagel egal. Nur als die wilden Heuschrecken sich über die letzte Nahrung der Ägypter hermachen und mit vollen Mündern die Bühne verlassen, ist es dem Pharao nicht mehr egal.

Die folgende Sonnenfinsternis lässt die 10. Plage erahnen. Denn als der Todesengel die Bühne betritt, stockt manchem der Atem. Doch erst jetzt lässt Pharao die Israeliten ziehen und sie sind „Endlich frei!“ Fröhlich winkend verlassen sie das Ägypterland und wandern „auf das Meer zu“. Das verwundert sie sehr und beunruhigt sie zusehends, denn Staubwolken lassen Unheil erahnen. Vorwurfsvoll und aufgebracht attackieren sie den armen Mose von allen Seiten. Doch er weiß ganz sicher „Er (Gott) macht es gut, ihr werdet es sehn!“ Und was sie da zu sehen bekommen: Alle Ägypter verschwinden im tiefen Blau des Meeres.

Nun gibt es kein Halten mehr. Die Israeliten tanzen und singen und das Publikum klatscht den Rhythmus: „Lobe den Herrn! Er ist nicht fern! Er ist's, der uns beschützt! Oh yeah!“ Wie am Vortag in Leipzig, so ist auch in Halle die Freude über die gelungene Aufführung zu spüren.

Stellvertretend für die vielen fleißigen Mitstreiter, geht ein herzliches Dankeschön an die Dirigentin Antje Kleine. Sie riss trotz Muskelkater die Kinder förmlich mit. Möge die Freude aller Beteiligten erhalten bleiben und Zündkraft in den Gemeinden haben.