Gemeinsam in Christus -
Hybrider Jugendgottesdienst aus Taucha

Getreu unserem Jahresmotto „Gemeinsam in Christus“ durfte die Jugend des Apostelbezirks direkt zum Einstieg in das neue Jahr am 23.01.2022 einen hybriden Jugendgottesdienst mit Apostel Korbien erleben. Hybrid bedeutet, dass aufgrund der COVID-Begrenzungen die Teilnahmeplätze auf verschiedene Kirchen ausgeweitet wurden, in die der Gottesdienst übertragen wurde. So stand der Apostel zwar in Taucha auf dem Altar, aber auch in Halle und Mücheln konnte Gemeinschaft gelebt werden.

Gottesdienst mit Beauftragung

Der Gottesdienst war von der Einsetzung von Tobias Schäfer zum Beauftragten für die Jugendseelsorge im Apostelbereich geprägt. Er kommt aus dem Bezirk Dresden und wird in Zukunft dem Apostelamt im Sinne der Jugend hinsichtlich der Jugendarbeit mit Rat und Tat zu Seite stehen. So erfolgte die die Wortverkündung von beiden. Ihr Lieben, ich sag’s euch, die hatte es in sich und wurde würdevoll sowie ergreifend von wohl ausgesuchten Musikbeiträgen untermalt. Lasst mich euch einen kleinen Einblick in den Inhalt geben:

Das zugrundeliegende Wort ist im 1. Mose 16 zu finden. Es geht hier um Hagar, die Magd Saras – der Frau Abrams. Sie war allein in die Wüste geflohen, wo Gott zu ihr sprach:

„Wo kommst du her und wo willst du hin?“ Hagar antwortete im Laufe des Gesprächs: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“

Dieses Wort wurde einleitend musikalisch mit den Worten: „Wenn dich Ängste und Sorgen bedrücken, wenn dir Leid und Unrecht geschieht, dann soll sich dein Herz nicht erschrecken! Du darfst glauben, dass Jesus dich sieht.“ (Wer sich eine Variante des Liedes anhören mag, kann diesen Link nutzen.)

Drei Hauptgedanken

Drei Hauptgedanken haben sich durch den Gottesdienst gezogen:

  • Gott sieht Dich! Jederzeit. In allem Leid. In aller Freude. Das mag vielleicht für manche im ersten Moment befremdlich klingen oder erschreckend sein, ganz nach dem Gedanken: Jetzt stehe ich unter ständiger Beobachtung. „Jetzt ja keinen Fehler machen!“ Aber das will Gott damit nicht bezwecken! Er schaut auf Dich in Liebe. Mit Sanftmut. Und mit Mitgefühl. Wie es im oben genannten Lied in der letzten Strophe heißt: „Dann soll Dein Herz nicht erschrecken! Du darfst glauben, Gott geht mit Dir mit.“ Und sollten wir einmal nicht wissen, wohin unser Weg geht, Gott begleitet uns.

Die folgenden Gedanken, dass Gott unseren Weg bereits kennt – untermauert von dem Lied „Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl“ (GB 34) –, riefen in mir persönlich zwar wieder die ewige Fragen nach meinem freien Willen hervor, aber ich vertraue darauf, dass mich dieser innere Konflikt zu weiteren interessanten Gesprächen und in ein noch tieferes Grundvertrauen führen wird.

  • Und das führt mich direkt zum zweiten Grundgedanken des Gottesdienstes. Dieser wurde sehr präzise von Priester Tobias Schäfer ausgesprochen: „Gott sieht Dich – siehst Du auch Gott?“ Damit wir Gott sehen können, wollen wir den Kontakt suchen. Denn Dinge, mit denen wir uns beschäftigen, sind uns viel präsenter und begegnen uns dann umso häufiger. Dieses einfache Gesetz der Wahrnehmung (Was wir in unseren Fokus nehmen, gerät auch in unseren Fokus, in unsere Wahrnehmung.) wirkt auch in Bezug auf Gott. Wir sollen also nicht wie Hagar fliehen, sondern bleiben und aktiv Verbindung suchen, mit unseren Mitmenschen, mit unseren Weggefährten, mit unseren Glaubensgeschwistern, mit Gott in seiner Vielfalt. Das mag schwer klingen, kann aber so simpel sein: Sehen wir ihn in unserem Alltag? In dem Lächeln einer/s Fremden? In den Wundern der Natur? Spüren wir ihn in dem Bauchgefühl in uns? In der Umarmung von Freunden?
  • Hier schließt auch schon der dritte Gedanke an: Wir wollen uns mit Worten, Gesten, Taten, kleinen Anrufen, Liebesbriefen, Grußkarten, unserem Lächeln, unseren Talenten gegenseitig in den Arm nehmen und uns Wärme schenken. Wir wollen füreinander da sein, in Liebe.

Die Rose

Mit dem Songtext von „The Rose“, welches am Ende der Predigt ganz zart und sehr bewegend vorgetragen wurde, schließt sich sogar der Bogen zur grauen Tristesse diesen Winters: „… denk dran, dass im Winter tief unter dem bitterkalten Schnee der Samen liegt, aus dem durch die Liebe der Sonne im Frühling die Rose wird.“

The Rose - Bette Midler

Some say love, it is a river
That drowns the tender reed
Some say love, it is a razor
That leaves your soul to bleed

Some say love, it is a hunger
An endless aching need
I say love, it is a flower
And you, its only seed

It's the heart, afraid of breaking
That never learns to dance
It's the dream, afraid of waking
That never takes the chance

It's the one who won't be taken
Who cannot seem to give
And the soul, afraid of dying

That never learns to live

When the night has been too lonely
And the road has been too long
And you think that love is only
For the lucky and the strong
Just remember in the winter
Far beneath the bitter snows
Lies the seed that with the sun's love
In the spring becomes the rose

(auf deutsch)

Manche sagen, die Liebe ist ein Fluss,
der das zarte Schilf ertränkt.
Andere sagen, sie ist eine Rasierklinge,
die deine Seele bluten lässt.

Manche sagen, die Liebe ist wie Hunger,
ein Bedürfnis, das ständig schmerzt.
Aber ich sage, die Liebe ist eine Blume
und du bist ihr einziger Samen.

Es ist das Herz, das nie tanzen lernt,
aus Angst, dass es bricht.
Es ist der Traum, der Angst vor dem
Erwachen hat und nie etwas wagt.

Es ist das, was sich nicht nehmen lässt
und das, was anscheinend nicht gegeben werden kann.
Und die Seele, die aus Furcht vor dem Tod
nie richtig leben lernt.

Wenn die Nacht zu einsam war,
und der Weg zu lang,
dass du schon glaubst,
dass Liebe nur was für Glückspilze und die Starken ist,

dann denk dran, dass im Winter
tief unter dem bitterkalten Schnee
der Samen liegt, aus dem durch
die Liebe der Sonne im Frühling die Rose wird.

Resümee

Alles in allem war das also ein Jugendgottesdienst gespickt voller Dinge wie in einer Haribotüte: Die Himbeerfrüchte der Stärkung, die Gummibären der Gemeinschaft und die Lakritze des leisen Zweifels, der in der Kombination mit den Gummibären zur Fledermaus wird und zu fliegen beginnt. So kann die zweifelnde Fledermaus gedreht und gewendet werden, aber sie wird im Dunkeln die Orientierung behalten, auch wenn sie den Weg nicht kennt. Ihr Lieben, was für eine Ode an die Haribotüte. Wer teilt sie im nächsten Jugendgottesdienst mit mir? Schließlich macht doch allein Essen keine Freude.