Den richtigen Ton getroffen – Passionskonzert

Palmsonntag, 24. März fand in der Kirche Leipzig-Plagwitz am Vormittag der März-Jugendgottesdienst für den Kirchenbezirk Leipzig statt, am Mittag eine Feierstunde für die diesjährigen Konfirmanden und am späten Nachmittag ein Passionskonzert. Gut 40 Sänger und Instrumentalisten aus den Bezirken Halle und Leipzig hatten sich seit Jahresanfang auf das Konzert vorbereitet.

Emotionaler Höhepunkt des Palmsonntags

Es ist ruhig unter den Zuhörern. Der Chor singt so leise, als käme der Gesang aus einem einzigen Mund. Es ist der stillste, vielleicht der emotionalste Moment dieses Tages. Der Klang eines Liedes erreicht den Konzertbesucher, nicht nur von vorn, sondern von allen Seiten: „Nacht ist's“ aus dem neuapostolischen Chorbuch. Obwohl das Lied ein Klassiker der Passions- und Osterzeit ist, wirkt es so, als sei es für diesen Tag neu geschrieben worden. Nicht zuletzt wegen der Vortragsweise: In einem großen Kreis stehen die Sänger um die Zuhörer herum und demonstrieren, wie leise piano sein kann. „Da war eine andächtige Atmosphäre, aber nicht niederdrückend, wie man es von einem Passionskonzert erwarten könnte“, wird später einer der Gäste über diesen Moment sagen.

Einen Tag Gemeinschaft

Als die letzten Takte des Liedes verklingen, sind die jungen Sänger, die das gut einstündige Konzert veranstalten, schon seit einigen Stunden zusammen. Am Vormittag haben sie den Jugendgottesdienst erlebt. Bezirksältester Thomas Cramer hatte dem Gottesdienst das Bibelwort für Palmsonntag zugrunde gelegt, Johannes 12, 1-3. In diesem Wort wird berichtet, dass in Bethanien Maria die Füße des Herrn Jesus mit kostbarem Öl salbte und dann mit ihrem Haar trocknete. Dieses Ereignis gilt als Auftakt der Leidenszeit.

Der Bezirksälteste griff das Vergangene als Sinnbild für die Gegenwart auf: Nehmt euch Zeit für den Nächsten, helft denen, die leiden, lautete eine Botschaft des Gottesdienstes. Das Gebet stärkt, schafft Freude und gibt Kraft, vor allem dann, wenn man gemeinsam betet, war ein zweiter Kerngedanke aus der Predigt.

Das gemeinsame Essen, ein Brunch, wie er nach dem Jugendgottesdienst schon länger üblich ist, fiel diesmal etwas größer aus. Auch die Konfirmanden des Jahres 2013 waren mit ihren Eltern zum Jugendgottesdienst gekommen.

Ab 13 Uhr war es dann wieder ruhiger im großen Saal der Kirche Leipzig-Plagwitz. Priester Olaf Witschas, Bezirkskinderbeauftragter, wandte sich mit einfühlsamen Worten an die, die an der Schwelle zum Jugendalter stehen. Rückblickend zählte er auf, was sie in einem Jahr Konfirmandenunterricht gemeinsam erlebt hatten. Und für die Zukunft machte er ihnen Mut. Verstohlene Blicke nach links bedeuteten für die jungen Christen einen Vorgeschmack auf Kommendes. Dort saß der Jugendchor. Bald dürfen sie selber mitsingen.

Immer wieder setzten die Sänger musikalische Ausrufezeichen hinter die Ansprachen von Priester Witschas und Bezirksältesten Cramer. Ganz laut wurde es, als die sogenannte Bigband spielte. Klarinetten, Trompeten, Saxophone und Posaune – ein Klangkörper, speziell für diesen Tag gebildet, war kaum zu überhören.

Lied und Lesung

Viel ruhiger ist es, als Tina Stephan in der Mitte der Kirche steht. Die Blicke der Sänger haften auf der jungen Dirigentin, die „Nacht ist's“ dirigiert. Gemeinsam mit ihrem Bruder, Diakon Tobias Stephan, und Priester Daniel Matthes leitet sie des Passionskonzert. Die drei jungen Dirigenten wechseln sich ab. Manuel Helmeke, der eigentliche Leiter des Projektchores ist aus beruflichen Gründen verhindert. Auf seine Stellvertreter kann er sich an diesem Tag verlassen. Die musikalischen Beiträge mit Liedern aus dem Jugendliederbuch oder der Chormappe stimmen auf die Passionszeit ein und zeigen den Leidensweg Jesu bis zu seiner Kreuzigung. Was die Sänger singen, bekräftigen Sandra Rögner und Diakon Christian Schweda mit gesprochenem Wort. Stille und Andacht erfüllen den Raum, wann immer die beiden an das Mikrophon treten, um Bibelstellen aus den Evangelien vorzutragen.

Seit Januar waren Sänger und Spieler aus Halle und Leipzig nach dem Jugendgottesdienst zu den Proben zusammengekommen und hatten damit die Grundlage für das emotionale Konzert gelegt. Beim Probentag am Samstag vor dem Konzert ging es um den letzten Schliff. Nicht nur in musikalischer Hinsicht. „Man hat den Sängern angesehen, dass sie auch mit dem Herzen dabei gewesen sind. Ihre Freude haben sie durch den Vortrag zum Ausdruck gebracht“, sagt eine Besucherin. Offenbar eine ansteckende Freude. Stehender Applaus erwartet den Chor nach dem letzten Lied, „It is well with my soul“ mit der bekannten Melodie von „Wenn Friede mit Gott“. Eine Zugabe ist unvermeidlich, „Irische Segenswünsche“ zum Abschied. „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand“, heißt es im Refrain. Nach allen Eindrücken, die der aufmerksame Beobachter an diesem Tag sammeln konnte, dürfte auch dieser Wunsch an das Publikum ganz tief aus den Herzen der Sänger gekommen sein.