Gottesdienst für Entschlafene mit dem Bezirksapostel

Am Sonntag, den 1. Juli 2012, hielt Bezirksapostel Klingler den Gottesdienst für Entschlafene in der Kirche Leipzig-Mitte. Eingeladen waren dazu alle Gemeinden des Kirchenbezirkes Leipzig.

Als Grundlage für den Gottesdienst verwendete der Bezirksapostel das Bibelwort Hiob 42, 5:

„Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.“

Nachdem Chor und Orgel eine Bearbeitung des Liedes „Näher, mein Gott, zu dir“ vorgetragen hatten, ging der Bezirksapostel näher auf dieses Lied ein und stellte den Gottesdienst unter die Losung „Näher, mein Gott, zu dir.“

Kerngedanken aus der Predigt des Bezirksapostels:

  • Allgemein ist die Ansicht verbreitet, dass der Mensch mit dem Tod ein Stück näher bei Gott ist. Aber der Tod bringt nicht zwangsläufig näher zu Gott, ändert nichts am Zustand der Seele.
  • Der Glaube an die jenseitige Welt lässt sich bis ins Alte Testament zurückverfolgen. Sirach schreibt über einen Propheten, der noch nach seinem Tod weissagte und dessen Weissagungen gehört wurden (vgl. Sirach 46, 23). In 2. Makkabäer, 12 wird berichtet, dass für die Gefallenen gebetet wurde.
  • In der Vorbereitung auf den Gottesdienst gab es vielleicht die Frage: Was ziehe ich an? Die Antwort steht im Neuen Testament: „So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld“ (Kolosser 3, 12).
  • Hiob war ein Mann, der nach Gott fragte, nach den Geboten Gottes lebte und trotzdem widerfuhr ihm so viel Schlimmes. Er verlor alles, seine Familie, seine Gesundheit. Seine Freunde warfen ihm vor: „Wir kennen Gott. So etwas kommt nicht von ihm. Prüfe dich selbst, welche Fehler du gemacht hast.“ Hüten wir uns vor solchen Aussagen! Wenn einer eine schwere Krankheit zu tragen hat, liegt es nicht daran, dass er einen Fehler begangen oder keinen richtigen Glauben hat. Schwere Dinge, die wir erleben müssen, sind göttliche Zulassung und nicht eigenes Verschulden. Wir wollen keinem solche ungerechtfertigten Vorwürfe machen!
  • Hiob hatte eine Zuflucht – Gott. Wer Zuflucht bei Gott sucht, hat Vertrauen zu ihm. In Hebräer 10, 35 ist zu lesen: „Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.“
  • Hiob bekam nach all seinem Erleben ein anderes Verhältnis zu Gott, eine andere Gotterkenntnis. Es spiegelt sich wider in der Aussage: Bisher hab ich nur von dir gehört, nun hat mein Auge dich gesehen! Wir wollen den Herrn nicht nur vom Hörensagen kennen. Um Gott näher zu kommen, müssen wir an ihn glauben, seine Nähe suchen und uns von seinem Geist regieren lassen.

Nachdem der Bezirksmännerchor das Lied „O in den Armen Jesu“ vorgetragen hatte, fasste Apostel Burchard im Mitdienen zunächst sein Empfinden während des Gottesdienstes anhand der gehörten Lieder zusammen: Gott ist nicht an uns vorüber gegangen, er hat uns in seine Nähe geholt. Wenn man Kinder in die Nähe holt, sie auf den Arm nimmt, ist der Schmerz ganz schnell vergangen.

Der Apostel rief allen zu: Gott kennt dich! Wie kommt man zu Gott? Niemand kommt zum Vater denn durch den Sohn. Der Weg geht also über Christus. Wir wollen mithelfen, dass den Seelen in der jenseitigen Welt Heil widerfahren kann. Dazu sollen wir Kleider der Güte, der Menschlichkeit, des Erbarmens anlegen. Damit auch die Seelen in der jenseitigen Welt erleben können, was Hiob zum Ausdruck brachte: nicht nur vom Hörensagen Gott kennen, sondern Gott sehen, wie er ist! Hiob berichtete später anderen von seinem Erleben. In der Kommunikation sagt man heute: er verwirklichte das Multiplikatorenprinzip. Er wies anderen den Weg und sagte: macht es doch auch so wie ich. So wird es auch in der Ewigkeit sein. Die gläubigen Seelen tragen das weiter, was sie hier auf Erden geglaubt haben. Das bringt auch andere Seelen näher zu Gott.

Apostel Wosnitzka führte in seinem Predigtbeitrag aus, dass er sich selbst die Frage gestellt habe: Kennst du Gott nur vom Hörensagen oder hat er dein Innerstes ergriffen? Hörensagen bedeutet, man hat sich Gott nicht geschenkt und kein volles Vertrauen zu ihm. In der Bibel ist die Schwelle vom „Gott kennen“ zum „Gott erleben“ öfter beschrieben, zum Beispiel bei Bartimäus – dem Blinden, der sehend wurde (Markus 10, 46) oder beim Vater, dessen Sohn von einem bösen Geist besessen war (Markus 9, 24). Auf die Bitte „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ ließ Jesus den Geist ausfahren. Auch wir wollen Barmherzigkeit üben und Hilfe für die jenseitige Welt sein.

Vor dem Gebet des „Unser Vater“ unterstrich der Bezirksapostel noch einmal, dass Barmherzigkeit wirklich geübt werden muss. Er führte dazu als Beispiel aus der Bibel das Gleichnis vom verlorenen Sohn an, wo es nicht einfach war, barmherzig zu sein. Dann leitete der Bezirksapostel auf das Abendmahl über mit den Worten aus dem Römerbrief: „Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden“ (Römer 5, 20). Ergänzend fügte er hinzu: Wem vergeben ist, der kann noch mehr lieben!
Anschließend stimmte ein Baritonsolo, begleitet vom Orchester, auf die Feier des Heiligen Abendmahls ein.

Nachdem die Gemeinde das Heilige Abendmahl gefeiert hatte, sprach Apostel Bimberg einleitende Worte zur Spendung der Sakramente für Entschlafene. Er führte die Begebenheit mit Naaman an. Dieser Mann hatte seine Vorstellungen, wie ihm durch den Propheten Heilung widerfahren sollte. Aber der Prophet schickte seinen Diener und forderte etwas ganz Einfaches. Naaman wollte von dannen ziehen, doch seine Knechte redeten mit ihm. Sie waren Fürsprecher. Schließlich willigte Naaman ein, sich in den Jordan zu tauchen und er konnte Heilung erfahren. Apostel Bimberg rief die Gemeinde auf, auch solche Fürsprecher für die jenseitige Welt zu sein.

Der Bezirksapostel hielt vor der Sakramentsspendung noch einen Augenblick inne und verglich die Fürbitten für die Seelen in der Ewigkeit mit Fähnchen auf einer Landkarte. Dabei lud er die Versammelten ein, in einer stillen Minute vor Gott solche „Fähnchen“ für Personen und Personengruppen in der Ewigkeit symbolisch auf einer gedachten Landkarte an den Orten zu setzen, wo sie auf der Erde lebten. Dies löste eine besondere Bewegung in der Gemeinde aus.

Nach der Sakramentsspendung für die Entschlafenen beendete der Bezirksapostel den Gottesdienst, der musikalisch vom Bezirksorchester, dem Stadtchor aus den Gemeinden Leipzig-Mitte und Leipzig-Plagwitz sowie dem Bezirksmännerchor umrahmt wurde.