39. Geistliche Abendmusik in Leipzig-Mitte

Auf der Orgel gespielte Gesangbuchlieder - durch ein Quartett vorgetragene Mappenlieder - gemeinsames Singen? Dieser Dreiklang klingt wohl zunächst nicht besonders einladend und attraktiv. Dass aber aus diesem angeblichen "Moll-Dreiklang" dennoch ein fulminanter "Dur-Dreiklang" wurde, verdankte das begeisterte Publikum den Interpreten.

Da war zunächst Jens Petereit aus dem Nachbarbezirk Halle/Saale.Die aus sieben Jahrhunderten zusammengestellten Gesangbuchlieder wurden gekonnt improvisiert, mit stilsicheren Arabesken verziert oder mit zarten Kantilenen versehen. Zur Untermalung und Veranschaulichung der Improvisationsgedanken diente einerseits ein Gesangsquartett, das textlich und klanglich bestens aufeinander abgestimmt war; andererseits wurden die für die Zuhörer eingeblendeten Texte mit Fotografien unterlegt, so dass der Ohrenschmaus auch für das Auge ein ästhetischer Genuss wurde. Durch Moderation konnten Hintergründe und Unbekanntes zur Entstehungsgeschichte der Lieder fassbar gemacht werden.

Manch tröstendes Lied ist durch das persönliche Schicksal seines Dichters entstanden, wie z. B. "Wenn Friede mit Gott". Das Lied "Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen" wurde durch Königin Viktoria populär gemacht und das Lied "Weißt du, wieviel Sternlein stehen" hat einen tiefen biblischen Hintergrund.

Als weiteren Höhepunkt gaben die beiden Solisten Katharina Hesse und Carsten Jäger (Horn) dem Leipziger Publikum eine exklusive Voraufführung des klassischen Horn-Doppel-Konzertes von Friedrich Witt, das zum Konzert anlässlich des Stammapostelbesuches am 26./27. Januar 2008 in Chemnitz dargeboten wird.

Für manch wippende Fußspitze hingegen sorgte gegen Ende ein "Näher, mein Gott zu dir"-Swing, den Jens Petereit dem Klavier entlockte. Abendlieder, solistisch oder gemeinsam gesungen oder auf Geige und Orgel gespielt, entließen die Zuhörer zu einem besinnlichen Tagesausklang.